Dominique A

Dominique A
Dominique A
Dominique A, Foto: Frank Loriou

(sc). Der August ist in Paris der heißeste Monat. Der August 1995 war für mich der heißeste Monat in Paris, was die Musik anging. Selten habe ich so viel Neues, so viel Gutes entdeckt. Einer der Sommerhits in Frankreich war in dem Jahr „Le Twenty-Two Bar“ von Dominique A. Seither hat mich dieser Ausnahmemusiker nicht mehr losgelassen und ich musste alles haben, was er prodiziert hat. Zugegeben, nicht alles hat mich so vom Hocker gehauen, wie seine Scheibe „La Mémoire Neuve“ von damals. Mit seinem neuen Album „Vers les lueurs“ hat Dominique A sich allerdings wieder einmal selbst übertroffen. Außerdem ist er auch hierzulande kein ganz Unbekannter mehr. Einige Gründe mehr, endlich einmal über ihn zu schreiben.

Dominique Ané wurde 1968 in Provins geboren und wuchs in Nantes auf. Er interessierte sich schon früh für Literatur und Musik, vor allem für Punk. Als er 14 wurde, änderte sich sein Geschmack ein wenig und er begann sich auch für die dunkle Romantik des New Wave zu interessieren. Mit 16 schließlich gründete Dominique seine erste Band; benannt nach dem Helden aus David Lynchs Film „The Elephant Man“, John Merrick. Anfang der 1990er Jahre begann er ohne Band Songs aufzunehmen und hatte seinen Nachnamen inzwischen zu A verkürzt. Beim Label Lithium erschien 1992 sein Album „La Fossette“ mit dem Untergrundhit „Le Courage des Oiseaux“ (Der Mut der Vögel), was gleichzeitig Dominique A’s Durchbruch bedeutete. Unterstützt wurde er auf vielen seiner Alben von Françoiz Breut, die ihrerseits seit einigen Jahren eine erfolgreiche Solokarriere hat.

Weg vom Chanson, hin zu neuer französischer Musik. Das war, was Dominique A versucht und geschafft hat und dabei hat er eine ganze Generation von jungen Musikern in den 1990ern beeinflusst. Allen voran Yann Tiersen, der bei uns spätestens seit seiner Musik zu „Amélie“ allen bekannt sein dürfte.

Doch genug geschwafelt; Dominique A hat schließlich eine neue Scheibe und um die soll es hier eigentlich gehen. Auf „Vers les lueurs“ erwarten uns 13 Songs und etwa eine Stunde guter französischer Indie-Rock. Mit „Contre Un Arbre“ beginnt die CD chillig und der Titel erinnert direkt mal an „Le Sense“ vom Album „La Musique„. „Vergiss die Stadt, vergiss Geschwindigkeit, vergiss verbale Aggression“ heißt es da. Stattdessen sollten wir uns lieber zurücklehnen und den Wolken beim Vorbeiziehen und den Flüssen beim Fließen zuschauen. Ja, vielleicht finden wir so zum Sinn zurück.

Das Tempo ändert sich in „Rendez-Nous La Lumière„. Rockige Gitarren wechseln mit beinahe sanften Bläsersätzen, Druck kommt auf und entlädt sich – getrieben von der unermüdlichen Snare –  in heftigem Vierviertel mit der unmissverständlichen Botschaft, dass wir es waren, die die Welt zu dem gemacht haben, was sie ist: „Gebt uns das Licht zurück!“ Eine gelungene erste Single und äußerst hittauglich.

Der Anspruch scheint sich in „Quelques Lumières“ zu ändern. Plötzlich sind es nur noch ein paar Lichter, die Dominque A. in dieser wunderbaren Ballade einfordert, nicht mehr alles. Allerdings ist dieser Titel, wohl auch wegen der eingesetzten Jazzbesen und des behutsamen Bläsersatzes hypnotischer als „Rendez-Nous La Lumière“ und deshalb vielleicht sogar stärker.

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